Die Illusion des letzten Aktes

Hast du wirklich gedacht, dass nur der Vorhang fallen muss, damit du auf die nächtliche Straße treten und Sorglosigkeit atmen kannst? Dass der kühle Winterwind auf deinen Schultern das einzige Anhängsel ist, das du abzustreifen wünschst? Dass der Applaus verebbt, und du einfach deine Schritte auf das Anthrazit des Asphalts setzt, der feuchten Spur des letzten Regens nach Hause folgend, zurück bis dahin, wo du herkamst?
Hast du geglaubt, es ginge immer nur darum, sich aufzumachen, die Gedanken zu zerstreuen? Dass du die Abendluft atmen kannst, während du in Unschuld nach Hause zurück spazierst? Lerntest du nicht, dass die Oper zu Ende ist, wenn die dicke Frau nicht mehr singt? Ich sage dir: Es ist egal, ob sie noch singt oder nicht mehr singt. Ihre Rolle ist nicht tragend, der fallende Vorhang aus staubigem Samt. Ja, schau nur dahinter, heb ihn an, den weinroten Stoff, den die Last der Illusionen beschwert. Du wirst nichts finden, denn da ist nichts, und wenn was war, so ist es jetzt vergangen. Das Bühnenbild ist verschwunden, die Lichter sind aus. Zurück bleibt nur noch das Knarren der Theaterdielen in deinen Ohren. Und es wird nie verklingen.

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