Die Abwesenheit von Zeit

Vier Wochen sind seit meinem letzten Eintrag vergangen. Sie sind verflogen, aber nicht verloren. Der Blog und die Facebook-Seite mögen den Eindruck erwecken, als wäre nichts passiert, als hätte kein Wort den Weg in einen Kontext gefunden, als stockten die Geschichten und das Leben würde stagnieren.

Doch Geschichte stockt nicht. Das Leben schreibt sich, ob man will oder nicht. Denn alles, was aus einem Kopf kommt, muss ja vorher irgendwie hinein. So gibt es Phasen des produktiven und aktiven Schreibens und Phasen des passiven Schreibens. In den letzten vier Wochen habe ich aufgesaugt wie ein trockener Schwamm. Ich habe geschaut, die Dinge in ihrem Lauf beobachtet, sortiert im Innen und im Außen, Weichen gestellt und mein Brot verdient. Und ich habe gelesen. John Irving. Dieser Sog seiner Bücher, dieser unfassbare erzählerische Sprung durch ein ganzes Leben, wie ein Film, facettenreich, leichtfüßig und unfassbar tragisch und traurig. Wenn ich Schriftsteller wie Irving lese, fällt es mir schwer, selbst zu schreiben. Ich bin erstaunt und fassungslos und versuche in stummer und irrationaler Weise von ihm zu lernen. Diese Fülle, diese Gewaltigkeit – unglaublich. Er lässt mich erzittern und zweifeln. Wie könnte ich in solchen Momenten auch nur ein Wort zu Papier bringen?

Und so sind Tage und Wochen vergangen, und erst der Anblick in das ergraute und faltige Antlitz der Zeit machte mir heute bewusst, dass es ihre Abwesenheit ist, die sie spürbar werden lässt: 107 gelebte Jahre und ein altes Gemäuer weckten mich aus meiner Passivität. Doch davon berichte ich im nächsten Blog-Artikel. 😉

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